„Piercing Through The Moment“, Live mit Band, Bremen 2018

Manchmal muss man ja was machen, was man noch nie vorher gemacht hat. So geschehen im März 2018 bei einem Liveauftritt mit eigenen Songs im Bistro Cordoba in Bremen-Vegesack. Zusammen mit Karii NhowiGerd Schulz und Tom Ennulat.

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Die gerade Linie und unser Perfektionismus

Faszinierend an der großen Geschichte Gottes ist, dass sie nicht LINEAR verläuft, so / oder so \ sondern in U – Form. D.h. sie hat nicht einen Anfang und von ihm geht alles linear bergauf oder bergab, sondern sie verläuft in einem wellenförmigen U, das aus vielen kleinen in sich verschlungenen U’s besteht.

Schöpfung – Fall – Neuschöpfung

Paradies – verlorenes Paradies – wiedergewonnenes Paradies

Heimat – Exil – Heimkehr

Die große (Meta-)Erzählung verläuft U-förmig. Wer von ihr angezogen wird, ist also zu Hause in einem U-förmigen statt in einem linearen Leben. Der wunderbare Alttestamentliche Theologe Walter Brueggemann nennt diese geschichtlich- spirituelle Bewegung der Geschichte Orientation – Desorientation – Reorientation.

Der große Friedensreich Hundertwasser, merkte einst an, dass es in der Natur keine geraden Linien gibt. Alles, was wächst, ist krumm und schief. Wenn in der Natur irgendwo eine gerade Linie zu finden ist, wurde sie von Menschenhand geschaffen. Gerade Linien sind also unnatürlich.

Und trotzdem meinen Menschen manchmal, dass ein Plan oder ein Leben linear von A nach B verlaufen müsse. Und sie verlangen von sich selbst und anderen, dass sie immer „richtig“ und „gerade geordnet“ sind. Die Kinder sollen sich möglichst ebenfalls linear – und zwar aufwärts – weiterentwickeln.

Die Wahrnehmung der großen Geschichte, der Metaerzählung als U-förmig stellt deutliche Anfragen an:

  • unseren Perfektionismus
  • unsere Vorstellungen von einem “normalen”, geordneten, geraden Familien- und Beziehungsleben
  • unsere Betrachtung der Realität als absteigend (negativ, hoffnungslos, resignativ, deterministisch) oder aufsteigend (naiv, optimistisch, Unangenehmes ausblendend)

Es ist normal und natürlich, wenn nicht alles glatt läuft, die eigenen Pläne nicht gerade verlaufen und das Leben mit Dellen, Kurven und Biegungen versehen ist. Und das Schöne ist, dass Gott in jeder Phase mit seinen Menschen unterwegs ist, selbst im Exil in Babylon, in Ägypten und sogar am Kreuz, an Orten also, an denen keine*r mit ihm gerechnet hat.

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„But If Not“ – A Song of Civil Disobedience

This song was inspired by a sermon from Dr. Martin Luther King. It is based on the story of Shadrach, Meshach and Abednego as recorded in the book of Daniel 3. They were supposed to bow down before a statue that was set up by the great king Nebuchadnezzar, but refused to do so. So they were trheatened with getting thrown into the fire. They replied that they would not bow down before the statue, because their god – the god of Israel – would save them, but if not, they would not bow down anyways. This instance of civil disobedience and loyalty – even if it is not rewarded by success, inspired Dr. Martin Luther King to a sermon and me to the song.

Lyrics:

When they said to me bow down – I said I won’t

I won’t fall down on your ground

When they threatened me with fire – I said I will

Be pulled out – flying high

 

But if not

I won’t bow down

anyways

because you

are with me in the fire!

 

While their anger burned in rage and explodes

I stood still – at the rim of all roads

When they pushed me in the pit I fell

Looked around –  there I saw and got well

TE, 27.11.17

 

 

 

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Piercing through the Moment (A 2017 Song)

Hier ist der Text eines kleinen persönlichen Songs, der in diesem Jahr entstanden ist. Eine Audio-Fassung folgt.

 

1) What is beauty

What is love

What is rescue

from above

 

Where is ‘the connection

of people

tryin to run the race

When comes the crossing

of our time and space

 

Ref:

Piercing through the moment

You come to me

It’s like healing broken bones

When all the darkness fades away

 

2) Fading footprints

is all I see

In my rearview mirror

there’s a face with a plea

 

There’s a loneliness

that goes deeper than

being left alone

by a mere human

 

3) Certain People

make you sick

Others bring a healing balm

and get you fixed

 

the great physician

comes around

he makes you whole again

and leaves you stunned

 

4) There is a wonderous

love to see

she’s so beautiful 

and dwells in me

 

She’s the energy

in the heavens and the earth

she fires the sun and moon

and wakes me up in the new birth 

 

Ref. II:

C’mon pierce the moment

feel it rise

C’mon make it happen

Even when in disguise

(Bremen, T. Ennulat 2017)

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Der Anker hinterm Vorhang und das Jesusgebet – Eine Meditation

Hinter der Erscheinungsform der Dinge liegt der Anker unserer Lebenslinie, bzw. im Seefahrtsjargon gesprochen Lebensleine.

Besonders schön wird diese Wirklichkeit in der Übersetzung The Message von Eugene Peterson in Hebräer 6,19-20 ausgedrückt:

It’s an unbreakable spiritual lifeline, reaching past all appearances right to the very presence of God where Jesus, running on ahead of us, has taken up his permanent post as high priest for us, in the order of Melchizedek.

 

Im Allerheiligsten, im zeitlosen Jetzt, wo Christus, der Hohepriester nach der Ordnung des Melchizedek, eingesetzt wurde.

Mit dieser Realität ist das Hier verbunden.

Die Realität des Ewigen hinterm Vorhang.

Gottes Wirklichkeit.

Während ich hier sitze, stehe oder gehe – bin ich verankert in der Ewigkeit.

Während meine Gedanken vorbeiziehen – bin ich verankert in der Ewigkeit.

Während ich plane, überlege, verarbeite und reflektiere – bin ich verankert in der Ewigkeit.

Der Verankerung meines Lebens in der überzeitlichen Dimension gewahr werde ich durch die Wahrnehmung meines…

Atems in 

meine Hände

mit dem Jesusgebet (beim Einatmen Christus und beim Ausatmen Jesus)

als sinnenhafte Zugänge zu der formlosen Dimension des ewigen Jetzt.

 

Auch Achtsamkeitsübungen dienen zur Gewahrwerdung der Verankerung meiner Lebensleine in der Zeitlosigkeit wie z.B. durch die von Franziska Luschas.

Hebr 6,19-20

vgl. das Buch „Kontemplative Exerzitien“ von Franz Jalics (Echter)

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Tag der Deutschen Einheit, 2017

Am Tag der Deutschen Einheit durchs Bodetal. Das passte heute richtig gut!

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„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“ (Matthäus 20,1-16)

Normalerweise geht Gerechtigkeit so: Es gibt eine unabhängige Justizia. Sie ist blind, wahrt das Prinzip der Gleichheit und verteilt je nach Verhalten die gleiche Strafe für Vergehen, den gleichen Lohn für das Tun des Richtigen.

Dieses Verständnis wird von Parteien genutzt und die Angst, die dahinter steckt, nicht gerecht behandelt zu werden. Da werden Gruppen gegeneinander ausgespielt, z.B. solche, die schon länger hier im Land sind gegen solche, die erst neu dazu kommen. Und weil die einen länger hier sind, haben sie mehr Rechte als die, die aus anderen Ländern hinzuziehen. So glauben manche. So wird gehetzt und Neid und Feindschaft geschürt mit Hilfe eines aufrechnenden Gerechtigkeitsbildes.

Bei Gott funktioniert das Leben jedoch mit einer merkwürdigen und völlig anders gearteten Gerechtigkeit.

Das Gerechtigkeitsverständnis von Jesus zeigt sich als Einspruch gegen das Leistung-Lohn-Denken, bzw. Vergehen-Strafe-Denken.

Dieses Verständnis ist aufwühlend, jedoch wichtig für eine Gottesvorstellung, die uns unverfügbar ist, für ein positives Zusammenleben und ein persönlich gesundes Glaubensleben. Jesus zeigt das auf äußerst irritierende Weise in Mt 20 mit der Geschichte von den Arbeitern im Weinberg.

Darin geht es im Kern um die tiefste Ursache und Kluft zwischen Menschen. Es geht darum, dass wir Menschen miteinander rechnen. So verstehen Menschen Gerechtigkeit.

Wir rechnen aus, was uns gehört und dem andern. Wir bestehen auf dem Recht, das wir errechnet haben für uns.

Wir rechnen im Politischen, Sozialen, Moralischen und in der Kirche.

Oft rechnen Menschen so, dass möglichst viel für sie selbst herauskommt und möglichst wenig für den anderen. Es werden die eigenen Verdienstposten aufgelistet und die Schuldposten der anderen.

Der Maßstab aller Ordnung ist: Man bekommt das, was man verdient hat.

Manche rechnen auch im Glauben. Sie rechnen anderen ihre Irrtümer vor und meinen den rechten Glauben zu haben. Das Maß sind sie selbst. Schon die Jünger rechneten wer von ihnen der Größte sei. Es rechneten die Apostel mit Paulus, der später dazu gekommen war usw.

Wir rechnen und rechten mit einander.

Dieses Rechnen und draus folgende Rechten, Richten, ist eine Ursache der Zerreißung der Gemeinschaft, des Zusammenhalts.

“Mir steht doch mehr zu. Ich habe mich so viel eingesetzt und die anderen tun viel weniger. Das kann doch nicht angehen, dass die ganze Arbeit auf meinen Schultern ruht. Der / die könnte ja auch mal was tun. Sie könnten ja auch selbst mal auf die Idee kommen was zu sehen. Aber nein, die ewige Sisyphusarbeit bleibt immer bei mir hängen. Und ich kann womöglich denen noch ihre Arbeitsgeräte hinterher räumen. Das ist sowas von ungerecht!”

Der Chef in der Geschichte von Jesus sagt: „Ich hab euch doch das vereinbarte Gehalt gezahlt. Ist doch ok. Ist doch nicht dein Problem, wenn ich dem, der neu dazukommt das Gleiche gebe.”

Das ist zwar juristisch korrekt, fühlt sich jedoch trotzdem irgendwie unfair an.

Und doch ist Gott so mit uns.

Merkwürdig.

Befremdlich.

Überraschend.

Und doch gut.

Die Antwort Jesu lautet:

„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“

„Ich brauche dich auch!“

„Ich freue mich über deine Mitarbeit!“

„Ich sehe dich, auch wenn du schon lange untätig herumhängst!“

„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“

Einerseits ist das eine befreiende Aussage, andererseits eine Herausforderung für die Menschenfreundlichkeit und Empathie derjenigen, die sich schon lange engagieren! Doch das ist genau der Punkt, auf den Jesus hinaus will.

Jeder Mensch ist mehr wert als seine Leistung. Egal woher und wann er / sie wo ist.

„Fühl dich nicht bedroht von den anderen. Was sie können, wie viel Aufmerksamkeit oder Geld sie erhalten, oder wenn sie etwas gut machen…“

Diese Wahrheit sollte sich politisch in einer Gesellschaft zeigen, indem nicht nur das Leistungsprinzip gilt, sondern eine Anerkennung und Versorgung, die davon unabhängig ist.

Und sie sollte und wird sich in der Atmosphäre einer Jesus-Nachfolge-Gemeinschaft in Form von besonderer Zuwendung zu denen zeigen, die (bisher) keiner haben wollte.

Gerechtigkeit scheint bei Jesus mehr mit Solidarität und einer Anerkennung des Werts unabhängig von der Leistung zu tun zu haben als mit dem Leistungs-Lohn-Denken.

Eine Frage zum Schluss: Spricht dieses Gleichnis von Jesus für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Literatur: Leonhard Ragaz, „Die Gleichnisse Jesu: Seine soziale Botschaft“ (Gütersloh: GTB, 1979)

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