Tag der Deutschen Einheit, 2017

Am Tag der Deutschen Einheit durchs Bodetal. Das passte heute richtig gut!

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„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“ (Matthäus 20,1-16)

Normalerweise geht Gerechtigkeit so: Es gibt eine unabhängige Justizia. Sie ist blind, wahrt das Prinzip der Gleichheit und verteilt je nach Verhalten die gleiche Strafe für Vergehen, den gleichen Lohn für das Tun des Richtigen.

Dieses Verständnis wird von Parteien genutzt und die Angst, die dahinter steckt, nicht gerecht behandelt zu werden. Da werden Gruppen gegeneinander ausgespielt, z.B. solche, die schon länger hier im Land sind gegen solche, die erst neu dazu kommen. Und weil die einen länger hier sind, haben sie mehr Rechte als die, die aus anderen Ländern hinzuziehen. So glauben manche. So wird gehetzt und Neid und Feindschaft geschürt mit Hilfe eines aufrechnenden Gerechtigkeitsbildes.

Bei Gott funktioniert das Leben jedoch mit einer merkwürdigen und völlig anders gearteten Gerechtigkeit.

Das Gerechtigkeitsverständnis von Jesus zeigt sich als Einspruch gegen das Leistung-Lohn-Denken, bzw. Vergehen-Strafe-Denken.

Dieses Verständnis ist aufwühlend, jedoch wichtig für eine Gottesvorstellung, die uns unverfügbar ist, für ein positives Zusammenleben und ein persönlich gesundes Glaubensleben. Jesus zeigt das auf äußerst irritierende Weise in Mt 20 mit der Geschichte von den Arbeitern im Weinberg.

Darin geht es im Kern um die tiefste Ursache und Kluft zwischen Menschen. Es geht darum, dass wir Menschen miteinander rechnen. So verstehen Menschen Gerechtigkeit.

Wir rechnen aus, was uns gehört und dem andern. Wir bestehen auf dem Recht, das wir errechnet haben für uns.

Wir rechnen im Politischen, Sozialen, Moralischen und in der Kirche.

Oft rechnen Menschen so, dass möglichst viel für sie selbst herauskommt und möglichst wenig für den anderen. Es werden die eigenen Verdienstposten aufgelistet und die Schuldposten der anderen.

Der Maßstab aller Ordnung ist: Man bekommt das, was man verdient hat.

Manche rechnen auch im Glauben. Sie rechnen anderen ihre Irrtümer vor und meinen den rechten Glauben zu haben. Das Maß sind sie selbst. Schon die Jünger rechneten wer von ihnen der Größte sei. Es rechneten die Apostel mit Paulus, der später dazu gekommen war usw.

Wir rechnen und rechten mit einander.

Dieses Rechnen und draus folgende Rechten, Richten, ist eine Ursache der Zerreißung der Gemeinschaft, des Zusammenhalts.

“Mir steht doch mehr zu. Ich habe mich so viel eingesetzt und die anderen tun viel weniger. Das kann doch nicht angehen, dass die ganze Arbeit auf meinen Schultern ruht. Der / die könnte ja auch mal was tun. Sie könnten ja auch selbst mal auf die Idee kommen was zu sehen. Aber nein, die ewige Sisyphusarbeit bleibt immer bei mir hängen. Und ich kann womöglich denen noch ihre Arbeitsgeräte hinterher räumen. Das ist sowas von ungerecht!”

Der Chef in der Geschichte von Jesus sagt: „Ich hab euch doch das vereinbarte Gehalt gezahlt. Ist doch ok. Ist doch nicht dein Problem, wenn ich dem, der neu dazukommt das Gleiche gebe.”

Das ist zwar juristisch korrekt, fühlt sich jedoch trotzdem irgendwie unfair an.

Und doch ist Gott so mit uns.

Merkwürdig.

Befremdlich.

Überraschend.

Und doch gut.

Die Antwort Jesu lautet:

„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“

„Ich brauche dich auch!“

„Ich freue mich über deine Mitarbeit!“

„Ich sehe dich, auch wenn du schon lange untätig herumhängst!“

„Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!“

Einerseits ist das eine befreiende Aussage, andererseits eine Herausforderung für die Menschenfreundlichkeit und Empathie derjenigen, die sich schon lange engagieren! Doch das ist genau der Punkt, auf den Jesus hinaus will.

Jeder Mensch ist mehr wert als seine Leistung. Egal woher und wann er / sie wo ist.

„Fühl dich nicht bedroht von den anderen. Was sie können, wie viel Aufmerksamkeit oder Geld sie erhalten, oder wenn sie etwas gut machen…“

Diese Wahrheit sollte sich politisch in einer Gesellschaft zeigen, indem nicht nur das Leistungsprinzip gilt, sondern eine Anerkennung und Versorgung, die davon unabhängig ist.

Und sie sollte und wird sich in der Atmosphäre einer Jesus-Nachfolge-Gemeinschaft in Form von besonderer Zuwendung zu denen zeigen, die (bisher) keiner haben wollte.

Gerechtigkeit scheint bei Jesus mehr mit Solidarität und einer Anerkennung des Werts unabhängig von der Leistung zu tun zu haben als mit dem Leistungs-Lohn-Denken.

Eine Frage zum Schluss: Spricht dieses Gleichnis von Jesus für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Literatur: Leonhard Ragaz, „Die Gleichnisse Jesu: Seine soziale Botschaft“ (Gütersloh: GTB, 1979)

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Ewigkeit in ihren Herzen (Koh 3,11), Teil 1

In dieser Rubrik geht es um eine Sehnsucht, ein Fenster oder eine Berührung der überzeitlichen Dimension. Immer wieder passiert es mir, dass ich in Songs, Bildern und Worten die Dimension des Ewigen erblicke. Sie sind dann für mich Anbetung, Erinnerung und Vergegenwärtigung einer spirituellen Tiefendimension der Wirklichkeit.

„Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt.“ (Koh / Pred 3,11)

In jedem Song, in dem es um etwas überzeitlich Unzerstörbares geht, wie z.B. den Rock ’n‘ Roll, erblicke ich ein tiefere Wahrheit. Diese Songs berühren mich auf eine besondere Weise.

Für mich haben, so vordergründig solche Songs zunächst erscheinen, eine dichte und tiefe Bewandtnis und ich stimme in die Besingung des Immerwährenden ein (Rock ’n‘ Roll will never die; Rock ’n‘ Roll is here to stay).

Hier ein Beispiel von Neil Young:

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Das große Bild, Teil 3: Globale Gerechtigkeit

Das Wort „Gerechtigkeit“ klingt in den Ohren eines weißen westlich geprägten Menschen wie mir oft sehr kühl, sachlich und berechnend. Sicherlich ist das nicht verkehrt, denn die Vision gleicher Chancen für alle ist auch eine Angelegenheit, die mit Distanz und Ausgewogenheit angegangen werden muss.

Doch alle kleinen und großen Initiativen, die sich dafür engagieren, dass die Stimme der Ärmeren gehört wird, träumen m.E. Gottes Traum mit. Jetzt bin ich mit meinen Vokabeln schon in eine völlig andere Terminologie hineingeraten, und das gefällt mir.

„Gerechtigkeit“ meint nicht nur die Herstellung gleicher Chancen und Möglichkeiten, die Bereitstellung des Nötigsten für alle, sondern eine Grundhaltung der Heiligkeit allen Lebens gegenüber.

Natürlich hängt soziale und globale Gerechtigkeit unmittelbar mit den anderen beiden Grundaufgaben „Bewahrung der Schöpfung“ und „Gewaltlose Wege zum Frieden gehen“ zusammen. Vor allem die Völker der „3. Welt“ mahnten und mahnen z.B. an, dass man zuerst Gerechtigkeit zu schaffen habe, bevor das Thema „Friedenspolitik“ in den Fokus rücken kann, da das eine das andere bedingt.

Wie damals der Widerstand der Kirche gegenüber der Rassentrennung in Südafrika und beim Fall der Berliner Mauer, so ist heute in unserem eigenen Land deutlich Position zu beziehen gegen jegliche Formen von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Homophobie u.a.

Solche ungerechte Phänomene und Strukturen heilsam aufzudecken und zu entlarven, ist dringend notwendig. Die prophetische Dimension des Evangeliums (Lukas 4,16-21) kommt auf diese Weise zum Tragen und verströmt ihre heilende und befreiende Macht.

Das kann manchmal auch durch kleine Zeichen geschehen, die an sich nicht viel verändern, aber die Aufmerksamkeit auf das Recht richten gemeinsam an einem Tisch zu sitzen – unabhängig vom sozialen, kulturellen oder religiösen Hintergrund. Am kommenden Montag, 14. August 2017, gibt es dazu am Bremer Hauptbahnhof eine bewährte und immer wieder gern genutzte Gelegenheit ein solches Zeichen zu setzen, siehe: Serve the City, Bremen.

Ein wahrhaft himmelschreiendes Unrecht findet zur Zeit im Gesundheitswesen statt, indem Menschen in Kliniken völlig unnötigerweise operiert, beatmet und gequält werden, so dass ihnen aus Profitgier nicht einmal ein einigermaßen hinnehmbares Sterben gewährt wird. Vgl. dieses Interview bei Markus Lanz: https://youtu.be/ZIn8H6sSrgE.

vgl. Walter Wink, The Powers That Be: Theology For A New Millennium (New Your, Random House, 1998)

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Das große Bild, Teil 2: Bewahrung der Schöpfung ist mehr… als Öko-Fair

Der ich nahe stehenden evangelikal-charismatische Strömung des Christentums hat ihre Stärken in einer persönlichen Jesusfrömmigkeit und der Offenheit gegenüber dem aktuellen Wirken des Heiligen Geistes. Das gefällt mir und ist einer der Gründe, warum sie für mich bedeutungsvoll ist. Christian A. Schwarz nennt dies den roten (Jesusfrömmigkeit) und blauen Bereich (Wirken des Geistes) des Glaubens.

Der dritte Bereich dagegen – Christian A. Schwarz würde sagen – der grüne Bereich, der das Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Umwelt bezeichnet, scheint oft schwach im Bewusstsein und in der Grundmotivation von Christen und Gemeinden dieser Coleur ausgeprägt zu sein. Das habe ich in der jahrelangen Gemeindearbeit in einer Freikirche, durch eine selbst durchgeführte Umfrage und in zahlreichen Diskussionen festgestellt.

Schnell wird in Gesprächen der Verdacht geäußert man sei zu sehr von der liberalen Theologie beeinflusst. Man könne doch unmöglich den Schutz der Umwelt als Grundmotivation zum Handeln einer christlichen Gemeinde erachten. Dies sei doch – wie der Name schon sagt – Christus – und seine (ausschließlich individuell gedachte) Erlösungsabsicht des Einzelnen.

Kommt man dann auf zentrale Aussagen der Bibel zur Schöpfung und zur Neuschöpfung  zu sprechen und betrachtet den gesamten großen Bogen der Schöpfungstheologie (Genesis 1-11, Psalm 8; 19 u.a.; Spr 8 u.a.; Rö 8; Offb 21-22), dann beschleicht einen der Eindruck, dass hier vielleicht eine elementare Dimension der Geschichte Gottes und des Sinns von Gemeinde abhanden gekommen ist.

Wenn ich an das ganz große Bild denke, das mich motiviert und mobilisiert, dann ist das als Zweites daher die Achtung und Bewahrung der Schöpfung, d.h. deren Gesunderhaltung, sowie Gottes Heilungs- bzw. Erneuerungsgeschichte mit ihr.

In vielen christlichen Treffen und Veranstaltungen wie dem Kirchentag wird sorgfältig darauf geachtet, nicht zu viel Müll zu produzieren, fair gehandelten und Biokaffee zu verwenden usw. Auch in meiner ehemaligen Gemeinde haben wir angefangen bewusster einzukaufen für Feste und Gottesdienste.

Doch es geht hier um mehr. Es geht um einen Grundauftrag, einen Teil des ganz großen Bildes. Nur weil dieses an anderer Stelle zur Ideologie erhoben wird oder in völliger Selbstverständlichkeit angenommen und nicht spezifisch christlich angesehen wird, heißt das nicht, dass die Gesunderhaltung des Heilen und Heilung des Kaputten in unserer Welt nicht Grundauftrag und Motivation zum Glauben und Handeln für mich sein kann.

Es geht bei Gott nicht nur um die Heilung der Beziehungslosigkeit des Menschen zu sich selbst, zu Gott und zum Mitmenschen, sondern auch um die Überwindung der Beziehungslosigkeit zur Umwelt.

Heißt das, dass ich die Schöpfung für wichtiger erachte als den Schöpfer?

Nein.

Heißt dass, dass ich nur in Jesuslatschen herumlaufe, Fahrrad fahre, immer öko-faire Produkte kaufe und vielleicht sogar Eichenbäume umarme?

Nein. Obwohl…. gute Idee 🙂

Heißt das, dass ich gerne mit Umweltorganisationen wie dem BUND, VivaConAgua oder auch Sea Shepherd zusammenarbeite?

Ja.

Heißt das, dass das große Bild von der Gesunderhaltung und Heilung der ganzen Schöpfung, mit der Gott aus christlicher Sicht „beschäftigt ist“, mich inspiriert, mobilisiert und in kleinen Entscheidungen des Alltags beschäftigt und beeinflusst?

Ja.

Heißt das, dass ich es liebe draußen zu sein, in freier Wildbahn zu übernachten, den Tieren in ihrem Konzert zuzuhören und das Gespür für die Lebendigkeit der Welt in mir wach zu halten?

Ja.

Heißt das, dass ich bewusst und gerne jahrelang Pfadfinderarbeit gemacht habe und mich gefreut habe, wie Kinder und Jugendliche einen Bezug zum Ursprünglichen und zur Schöpfung gewinnen?

Ja.

Heißt das, dass ich mir wünsche, dass die Jesus-Gemeinschaft – Kirche genannt – diesen elementaren Auftrag mit allen anderen Menschen, Glaubensrichtungen und Gruppen umsetzt, sich dafür einsetzt und ihre Finanz-, Programm-, Gebäude- und Aktionsplanungen darauf einstellt?

Ja.

 

Ein herzzerreißendes Klagelied über das Artensterben:

Lektüre:

The Asbury Journal 62/1:9-47 © 2007 Asbury Theological Seminary

Howard A. SNYDER, Salvation Means Creation Healed: The Ecology of Sin and Grace: Overcoming the Divorce Between Earth and Heaven

Christian A. Schwarz: Farben bekennen mit Natürlicher Gemeindeentwicklung

Newsletter NGE, 09 2014

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Was die Zukunft mit uns vor hat: Das große Bild sehen

In unserem Pastorenteam sprechen wir immer mal wieder über das „große Bild“, wie man es frisch hält, es klar sieht und davon für das tägliche Handeln inspiriert wird. Ich glaube es gibt wenig, das Menschen so sehr in Bewegung bringt wie der Blick auf das große Bild, worum es geht, wohin die Reise geht und wozu wir tun, was wir tun. Mir selbst geht es auch so, dass ich leichter ins Straucheln gerate, wenn mir nicht so klar ist, wohin der Weg führt. Dabei ändert sich das Bild immer wieder, es ist formbar und von verschiedenen Winkeln aus betrachtbar.

Eine Weise das große Bild zu sehen sind drei Aufträge, die die Menschen christlichen Glaubens in den letzten Jahrzehnten zu einem drastischen Umdenken brachten. Es geht um gewaltlose Wege zum Frieden, globale Gerechtigkeit und den Schutz der Biosphäre vor der menschlichen Zivilisation. Und es gibt eine weitere zentrale spirituelle und gesellschaftliche Aufgabe, die auf uns wartet angegangen zu werden.

  1. Gewaltlose Wege zum Frieden suchen

Seit dem 4. Jahrhundert war es gesetzt, dass „christliche Staaten“ Krieg führten. Christen dienten an der Waffe und damit war die Kirche einverstanden. Die Schwärmer und Träumer, die sich dem entgegenstellten, liefen ins Leere oder erfuhren deutliche Ablehnung. Selbst in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts spielte die Kirche eine gewaltfördernde Rolle und half zum Großteil mit bei der Ausführung des Kriegs. Die ersten Pazifisten wurden als Verräter verschrieen. Von gewaltlosen Ansätzen zum Frieden sprach kaum jemand.

Wer später bei der Gründung der Bundesrepublik von Friedenspolitik und dem Friedensauftrag zwischen Ost und West sprach, galt in der Kirche als weltfremder Außenseiter. Doch langsam begannen Kirchenleitende und kleine Friedensgruppen von einem Friedensauftrag zu sprechen. Auch die Kirchentage brachten diese Perspektive als zentrales Element auf ihre Agenda. Durch die ökumenischen Versammlungen in Genf 1666 und Uppsala 1968 bekam die Friedensinitiative noch mehr Schub. In den 80er Jahren zeigten sich Hunderttausende Christen auf Großdemonstrationen für den Frieden. Doch die Unterstützung der offiziellen Amtskirche war immer noch mager.

Inzwischen wird der Auftrag zur aktiven Gewaltlosigkeit und zur Friedenspolitik als zentraler Auftrag der Gemeinde immer mehr gesehen. Es ist klar, dass es in der Botschaft von Jesus nicht nur um inneren und persönlichen Frieden geht. Wenn man von Engagement gegen Gewalt und Krieg spricht und von der Suche nach gewaltfreien Wegen, ist man nicht automatisch weltfremd oder ein Träumer. Viele haben angefangen in diesem Auftrag und Vorgehen die Worte von Jesus wieder zu erkennen.

Diesen Auftrag gilt es m.E. nicht aus dem Blick zu verlieren. Ich finde es bedeutungsvoll ihn persönlich anzuwenden und als Gemeinschaft in der Gesellschaft zu verkörpern. Es ist ein wertvoller, bedeutungsvoller Auftrag, wie zahlreiche Beispiele (wie Martin Luther King) in der Geschichte gezeigt haben. Und es ist kein harmloser, sondern ein bissiger und aktiver Teil des großen Bildes, das uns vor Augen steht. Ich finde das erkennt man besonders gut an dem Vorgehen der Bürgerrechtsbewegung in den USA zur Zeit von M. L. King. Hier ein Ausschnitt aus dem Film „Selma“:

Eine aktive Friedenshaltung und Gestaltung in der Sprache, im Umgang mit den Feinden, dem Anderen und dem Fremden trägt dazu bei, dass dem Hass, der Gewalt und Destruktivität in einer Stadt, in einem Land und in der Welt etwas entgegengesetzt wird. Und dass Wert und Würde der Menschen und der menschlichen Gemeinschaft ihren rechtmäßigen Platz finden. Das ist für mich eine schöne, lohnenswerte und äußerst mobilisierende Facette des „großen Bildes“.

Literatur:

Jörg Zink, Gotteswahrnehmung, Wege religiöser Erfahrung, 2. Aufl. (Gütersloher Verlagshaus, München: 2010)

Filmempfehlung: Bildergebnis

 

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Gibt es eine legitime kämpferische Note des Glaubens?

Achtung – Eine Vorbemerkung!

In den nachfolgenden Zeilen tauchen militärische,

zum Teil kämpferische Vokabeln auf.
Diese sind nicht gesellschaftlich oder politisch anzuwenden
oder zu verstehen.
Sie werden rein auf der psychologischen, bzw.
spirituellen Ebene gebraucht.
Mit dieser Abgrenzung zu jeglicher Gewaltanwendung
gegenüber Menschen bewege ich mich
auf der Linie des Neuen Testaments,
so wie ich es verstehe.

1Timotheus 6
12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben,
zu dem du berufen bist und für das du das herrliche Bekenntnis vor vielen Zeugen abgelegt hast.

Bei diesen Worten könnte man denken,
oha der biblische Text erweckt jetzt den Kampfgeist…
den „Kampf des Glaubens“ gilt es zu kämpfen,
offenbar geht es dabei nicht um einen wirklichen Griff zu den Waffen.

Doch heißt das, dass wir jetzt in der spirituellen Dimension „Land erobern“,
so wie vor vielen Jahren in stark charismatischen Liedern und Worten zu hören war?
Dass wir einen Triumphalismus wiederbeleben und gegen negative Gedanken
und geistliche Mächte gebetsvoll angehen?

…. damit hätte, habe ich Probleme. Aus gutem Grund, wie ich meine.

Viele kennen genügend Beispiele
für Manipulation und „sich benutzt fühlen“
durch Glaubenseinpeitscher, die
angestrengt,
künstlich,
„jetzt komm Heiliger Geist!“
rufen.

Und es gibt eine Kreuz leugnende schädliche
und krankmachende
Glaubens-
und
Gebetstheologie,
die viel Schaden angerichtet hat,
Leute in den finanziellen Ruin
und psychische Depression befördert hat….

In so einem theologischen Muster wird aufgerufen zu
mehr Glauben, Gebeten, und dem Widerstand
gegen destruktive spirituelle Kräfte!

Das klingt alles so militärisch und so kämpfend und so anstrengend….

Und doch….
Und doch….

Kann ich es mir manchmal von anderen zusagen oder zusingen lassen,
kann mich hineinsaugen lassen in eine Glaubensatmosphäre,
die eine kämpferische Note in mir zum Klingen bringt.

Natürlich besteht die Gefahr in einen primitiven Dualismus zu verfallen.
Aber auch die Gefahr einer naiven Einheitsvorstellung mit dem Universum,
in der die großen Harmonie aller Dinge zu sehen ist, zu verfallen
ist nicht von der Hand zu weisen.

Nein. Es gibt auch eine Dimension
des Unglaubens,
des praktischen Atheismus unter glaubenden Menschen!

Theoretisch glauben Christen an einen todesüberwindenden Gott,
aber praktisch lass ich mich manchmal hängen,
als gäbe es ihn nicht.
Als wäre er für mich nicht wirklich!

Das klingt jetzt schon wieder so
als würde ich mir es selbst nicht erlauben,
an meinen Lebensumständen zu leiden.
Oder Schmerz zu fühlen.
Doch so ist es nicht gemeint.

Daher:
Irgendwann darf auch mal ein deutliches
aus innerer Klarheit heraus
gewonnenes
NEIN!
SCHLUSS JETZT!
im Glauben an den Messias ausgesprochen werden!

Dann lässt sich feststellen:

Es gibt nicht nur Depressivität, Verzweiflung durch täglichen Kampf,
besonderer Herausforderungen des Täglichen, in der Lebensgemeinschaft oder
die Aktivierung alten Schmerzes aus der Vergangenheit,
die eigene erfahrene Schwachheit, Bedürftigkeit und Hilflosigkeit.

Ich darf feststellen:

Ich muss nicht in meiner Depressivität und meinem Schmerz versinken.

Ich darf eine Geräumigkeit drum herum erfahren.

Durch das Kreuz Christi wird ein Raum um meinen Schmerz gespannt.

Es ist so: Die Erinnerung werde ich nicht los. Den Schmerz habe ich nach wie vor. Aber Jesus – der Christus – hat einen Platz drum herum aufgespannt! Denn er hat allen Schmerz mit mir geteilt und teilt ihn auch jetzt. Und er ist dabei nicht stehen geblieben, sondern hat demKampf etwas entgegengesetzt: Einen Sieg!

Vor lauter Unsicherheit, Ängstlichkeit und Schwächegefühl kann die kämpferische Natur von Spiritualität so in den Hintergrund treten, so dass der Biss, die Ecken und Kanten und somit auch der heilsame Widerstand gegen innere destruktive Gedankenmuster verloren gehen.
Anders herum kann durch die Annahme der Kantigkeit, der spirituellen Kampfdimension des Glaubens, eine Vitalisierung des Handelns und Haltung geschehen. Und ich stelle fest: Die kämpferische Seite des Glaubens hat eine belebende Auswirkung auf das eigene Beten.

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