Warum Jesus Beachtung schenken?

Warum lohnt es sich Jesus Beachtung zu schenken? Warum lohnt es sich ihn heute zu beachten? Eine gute Frage, wie ich finde.

Dieses Bild „Christ in the Breadline“ von Fritz Eichenberg (1901-1990), Quaker und Teil der katholischen Arbeiterbewegung zeigt uns Jesus inmitten einer Schlange von Menschen, die für Brot anstehen. Das Bild wurde für die katholische Arbeiterbewegung geschaffen und wurde mit ihr identifiziert. Es zeigt eine aus der Zeit der Great Depression (die schwere Wirtschaftskrise in den USA in den 1930er Jahren) Schlange aus leidenden Menschen, die auf etwas zu essen warten. Mitten drin in der Linie steht ein bescheiden aussehender Charakter, der deutlich als Jesus identifizierbar ist. Hier findet man einen „Jesus des Volkes“.

An dieser Darstellung gefällt mir besonders die Verwundbarkeit des Christus, der sich hier einreiht in eine Linie der Wartenden. Er steht und schleppt sich einfach mit ihnen voran. Er drängelt sich nicht vor, sondern ist präsent mit den offenbar Frierenden und Hungernden.

Offenbar liebt es Jesus sich bei den Armen aufzuhalten. Das gibt mir zu denken, wenn ich mir die Frage stelle „Wo hält sich Jesus heute auf? Und wo halte ich mich auf?“.

Das Bild, das Fritz Eichenberg zeichnete, ist ein wie ich finde sehr zukunftsweisendes und zutreffendes Bild des Christus. Jesaja 42,1-4 und Lukas 7,18-23 u.a. weisen den Weg zu einem solchen Verstehen. Darin wird auf die Dienstbereitschaft des „Gottesknechts“ hingewiesen, der nicht aufhören wird sich für Gerechtigkeit auf Erden einzusetzen. Diese Gerechtigkeit, eine Wiedergutmachung der Dinge, eine Heilung und Integration betrifft besonders die Armen, Abgeschriebenen, Tauben, Unreinen und Blinden.

Auf den Punkt gebracht ist die Verwundbarkeit Gottes eine starker Grund für mich zu glauben. Sie steht im Gegensatz zu allen Versuchen engstirnige Lehrargumente zu konstruieren, Zugang zu Gott zu beschränken anhand von moralischen und rituellen Identitätsmerkmalen einer Gruppe, sowie Zweifel, Fragen und Widerspruch zum Schweigen zu bringen. Es lohnt sich Jesus zu beachten, weil wir es nicht müssen. Wir können seiner Geschichte zuhören und in sie eintreten, weil es eine offene ist. Sie erlaubt Varianten. Sie erlaubt sogar Widersprüche und Gegenentwürfe. Und in diesem Konzert der Bilder und Erzählungen kann man Jesus sehen. Und ich glaube, dass es stimmt: Menschen wollen einem „Jesus des Volkes“ durchaus nahe und ihm ähnlich sein.

Hier ein Beitrag des mennonitischen Theologen Ted Grimsrud zur weiteren Vertiefung.

 

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